Am 18.08.2017 besuchte der Gesundheitsminister Nordrhein Westfalens, Karl- Josef Laumann den Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall in seinem Wahlkreis. Stationen seines Besuches waren das Evangelische Stift Freiburg sowie die Helios Klinik in Breisach am Rhein.

Gesundheitsminister Laumann zu Gast im Evangelischen Stift

Die erste Station des Wahlkreisbesuches führte Matern von Marschall und Karl-Joseph Laumann in das Evangelische Stift Freiburg, um mit den Pflegekräften, Senioren und den Leitern des Pflegeheimes über die Zukunft der Pflege zu sprechen. Bevor die Veranstaltung startete, besichtigten von Marschall und Minister Laumann gemeinsam mit Hartmut von Schöning, Vorstand des evangelischen Stifts, Stellwände mit Forderungen der Mitarbeiter, die diese für den Aktionstag Pflege im Mai dieses Jahres vorbereitet hatten.

Hartmut von Schöning eröffnete danach die Veranstaltung mit einer kurzen Vorstellung von Minister Laumann und dem Abgeordneten Matern von Marschall.  Letzterer bedankte sich bei den Veranstaltern für die Möglichkeit des Besuchs und begrüßte ebenso den Minister herzlichst in seinem Wahlkreis. Schon einmal hatte Karl-Joseph Laumann den Wahlkreis 281 Freiburg besucht. Ebenso arbeiteten Laumann, damals noch Staatssekretär im Gesundheitsministerium, und von Marschall in den letzten Jahren schon gut zusammen. Matern von Marschall zeigte sich glücklich mit einem Experten im Bereich Gesundheit und Pflege in Freiburg  diese Veranstaltung durchführen zu dürfen.

Karl-Joesph Laumann zur Pflegereform

Karl-Joseph Laumann seinerseits, als Verantwortlicher der erfolgreichen Pflegereform stellte in seiner Rede dann den Patienten bzw. Pflegebedürftigen und deren Selbstbestimmtheit in den Fokus. „Die Menschen müssen dort wohnen dürfen, wo sie wohnen wollen“, so der Minister. In zahlreichen Gesprächen mit Pflegern und Bedürftigen kam er zur Erkenntnis, dass bei der ambulanten Versorgung die Pflegebedürftigen weit über 50% der Zeit tagsüber alleine sind, also ohne familiäre Aufsicht. Daher betonte Laumann stets, dass das Prinzip ambulant vor stationär kein förderungswürdiger Denkansatz ist.

Ein weiterer Schritt zur Förderung der Pflege in Deutschland war die Erhöhung der Pflegeversicherungsbeiträge um 20%, wovon die Hälfte der Versorgung von Demenzkranken zugutekommt. Diese Maßnahmen sind notwendig um unser System gerechter zu gestalten.

Jedoch steht Deutschland vor einer großen Herausforderung, denn in den nächsten Jahren wird die Anzahl an Pflegebedürftigen kontinuierlich um 2 bis 3 Prozent steigen. Um diese Herausforderung zu bewältigen ist Laumann jedoch gegen einen Sozialdienst in Form des ehemaligen Wehrdienstes, denn „wenn der Staat die Menschen zur Pflege zwingt, kann ich mir vorstellen wie diese Pflege ausfällt“, so Laumann. Der Schlüssel für ihn liegt hierbei in mehr Personal und mehr Geld für dieses, sowie der Einsatz der Familien. Das soziale Umfeld ist hierfür entscheidend, denn keine professionelle Arbeitskraft kann diese ersetzen.

In der häufig genannte Kritik bezüglich eines fairen Lohns sieht Laumann keine Aufgabe der Politik sondern, wie in einer sozialen Marktwirtschaft üblich, sondern als Aufgabe der Tarifpartner. Daher wünscht er sich eine professionelle Vertretung der Pflege. „Die Pflege muss ihre Zukunft selbst in die Hand nehmen, genauso wie das Handwerk.“ Auch die Förderung der Attraktivität dieses Berufsbildes, wie etwa für Abiturienten, sieht der Minister in der Verantwortung einer Pflegekammer oder Interessensvertretung, durch höhere Bezahlungen sowie der Entwicklung von Professionen.

In der anschließenden Diskussionsrunde unterstrich der Minister seine bisherigen Ausführungen über die Stellung der sozialen Marktwirtschaft und derer Chancen und Möglichkeiten und berichtete, dass mit 125000 Auszubildenden in den Pflegeberufen eine Quote erreicht wurde, wie sie noch nie zuvor in der Bundesrepublik erreicht wurde. Auch deren Verdienst ist ein erwähnenswertes Attribut, denn sie verdienen oft doppelt so viel wie ihre Kollegen im Handwerk.

Die Veranstaltung endete schließlich mit einer kurzen Rede des Vorsitzenden Hartmut von Schöning, welcher sich für das Kommen bedankte und dem Bundestagskandidaten Matern von Marschall viel Glück für den Wahlkampf wünschte.

 

 

Zweite Station: Helios Klinik Breisach am Rhein

Nach der öffentlichen Veranstaltung in Breisach führte die Matern von Marschall und Karl-Joseph Laumann die nächste Station in die Helios Klinik in Breisach am Rhein. Zusammen mit Chefarzt Dr. med. Bernhard Walter, dem Geschäftsführer der Klinik, Herrn Julian Schwaller sowie der Pflegedienstleiterin Frau Jana Hegel wurde unter anderem über die Zukunft der Krankenhausfinanzierung, die Notfallversorgung von Patienten sowie die grenzüberschreitende medizinische Versorgung gesprochen.

Matern von Marschall betonte dabei, dass eine gute Versorgung der Patienten im Krankenhaus setzt genügend Personal voraus. Dabei zeigte er auf, dass das Bundeskabinett deshalb eine Regelung für eine Personaluntergrenze für die Pflege der Patienten auf den Weg gebracht hat. Danach werden die Deutsche Krankenhausgesellschaft und der Spitzenverband der gesetzlichen Krankenversicherung beauftragt, in Zusammenarbeit mit den Privatversicherern Untergrenzen in wichtigen Klinikbereichen festzulegen – etwa auf Intensivstationen oder bei Besetzungen im Nachtdienst.

Zudem hat die Bundesregierung für bessere Pflege in den Krankenhäusern bereits ein Pflegestellen-Förderprogramm aufgelegt. Für die Jahre 2016 bis 2018 gibt es dafür 660 Millionen Euro. Danach sollen jedes Jahr bis zu 330 Millionen Euro investiert werden. Der Pflegezuschlag wird ab 2019 um die Mittel des Pflegestellen-Förderprogramms ergänzt und damit von bisher 500 Millionen Euro auf bis zu 830 Millionen Euro pro Jahr anwachsen. Davon profitieren die Patienten, weil Krankenhäuser von dem erhöhten Zuschlag mehr Krankenpfleger einstellen können.

Die CDU-geführte Bundesregierung verbessert schließlich die Krankenhausstrukturen mit einer Milliarde Euro. Damit sollen sich Krankenhäuser stärker spezialisieren können, um Patienten noch besser helfen zu können.

Matern von Marschall dankte im Anschluss an die beiden Termine Herrn Minister Laumann für seinen Besuch und freute sich shcon auf die weitere Zusammenarbeit mit Karl-Joseph Laumann.

Breisach Helios Klinik II       Breisach Helios Klinik

 

Mit dem zweiten Pflegestärkungsgesetz, dass im Deutschen Bundestag beschlossen wurde, hat die CDU-geführte Bundesregierung wesentliche Bestandteile des Koalitionsvertrages im Bereich Gesundheit und Pflege umgesetzt. Zusammen mit dem bereits am 01. Januar 2015 bereits in Kraft getretenen ersten Pflegestärkungsgesetz wird damit die umfassendste Modernisierung im Pflegeversicherungsrecht seit der Einführung der Pflegeversicherung vor 20 Jahren vorgenommen.  Die Pflegeversicherung und pflegerische Versorgung wurde durch die Einführung der Pflegegrade und ein neues Begutachtungsinstrument auf eine neue Grundlage gestellt. Dadurch fließen alle Einschränkungen – körperliche, geistige und psychische – in die Pflegeeinstufung ein. Auch wurde die rentenrechtliche Absicherung pflegender Angehöriger verbessert und die sogenannten Minutenpflege abgeschafft. Künftig wird nicht mehr der Zeitaufwand, sondern die Beeinträchtigung der Selbstständigkeit zum Maßstab genommen.

Der Gesetzentwurf enthält folgende Kernelemente:

  1. Umsetzung des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs:

    Umstellung von drei Pflegestufen auf künftig fünf Pflegegrade.

  2. Bestandsschutzregelung:

    Jeder, der bereits heute Anspruch auf Pflegeleistungen hat, erhält einen Bestandsschutz bzw. Leistungsverbesserungen. Kein bereits heute Pflegebedürftiger muss einen Neuantrag stellen, sondern wird automatisch in das neue System übergeleitet. Damit sichern wir bisher gewährte Ansprüche und stellen niemanden schlechter.

  3. Einrichtungseinheitliche Eigenanteile in Pflegeheimen:

    Zu den Leistungen der Pflegeversicherung zahlen Pflegebedürftige heute in stationären Einrichtungen je nach Pflegestufe unterschiedliche Eigenanteile. In der Vergangenheit  war die Höherstufung aufgrund einer Verschlechterung der Pflegebedürftigkeit automatisch mit einer Erhöhung der Eigenleistung verbunden. Künftig stellen wir auf einheitliche Eigenanteile der Pflegebedürftigen – unabhängig vom Pflegegrad – für stationäre Leistungen um. Somit führen eine Verschlechterung des Zustandes und eine damit verbundene Höherstufung bei den Pflegegraden nicht mehr zu einer finanziellen Mehrbelastung des Pflegebedürftigen.

  4. Stärkung der Reha:

    Durch das neue Begutachtungsverfahren wird der potentielle Rehabilitationsbedarf festgestellt. Darüber hinaus werden Kranken- und Pflegekassen verpflichtet, ein einheitliches Verfahren zur Feststellung und Umsetzung des Rehabilitationsbedarfs zu erarbeiten und anzuwenden. Damit sollen mehr Personen als heute die Möglichkeit bekommen, durch Rehabilitation Pflegebedürftigkeit zu vermeiden bzw. eine Verschlechterung zu verhindern.

  5. Hilfsmittelversorgung:

    Künftig wird im Rahmen der Begutachtung der Hilfsmittelbedarf konkret festgelegt und mit Zustimmung des Patienten direkt zur Beantragung der Kranken-/Pflegekasse weitergeleitet. So beseitigen wir eine Hürde zur Beantragung von Hilfsmittelleistungen.

  6. Soziale Absicherung von pflegenden Angehörigen:

    Die rentenrechtliche Anerkennung der pflegerischen Leistung von Angehörigen wird verbessert. Künftig müssen als Voraussetzung nicht mehr 14 Stunden, sondern zehn Stunden an zwei Tagen die Woche gepflegt werden. Dies gilt auch, wenn mehrere Personen eine Pflegeperson pflegen. Darüber hinaus werden in Zukunft auch Beiträge zur Arbeitslosenversicherung entrichtet, wenn jemand für die Pflege eines Angehörigen seine eigene Arbeit aufgibt.

  7. Information und Beratung über die Pflegeversicherung werden verbessert:

    Es wird klargestellt, dass alle Versicherten ein Informationsrecht auf die Leistungen und Ansprüche seitens der Pflegeversicherung haben. Darüber hinaus wird die unmittelbare Beratung durch die Pflegekassen nochmals verbessert. Für Pflegeberatung wird erstmals eine Richtlinie an Mindestvorgaben eingeführt, damit einheitliche Beratungsstandards ermöglicht werden. Erstmals erhalten auch Angehörige einen Beratungsanspruch.

  8. Qualität und Pflege-TÜV:

    Pflegebedürftige und ihre Angehörigen haben einen Anspruch, sich ein möglichst genaues Bild über die Qualität von Pflegeeinrichtungen zu verschaffen. Dafür braucht es einen Pflege-TÜV, der seinen Namen verdient. Zentraler Maßstab für eine gute Einrichtung muss eine hochwertige Pflege sein. Deshalb wird der Pflege-TÜV auf neue Füße gestellt und grundlegend weiterentwickelt. Der heutige Pflege-TÜV, der zu nivellierenden und daher häufig irreführenden Ergebnissen geführt hat, wird dadurch innerhalb der nächsten zwei Jahre abgeschafft.

  9. Pflegepersonal:

    Die Vertragsparteien erhalten den Auftrag, ein fundiertes Verfahren zur einheitlichen Bemessung des Pflegebedarfs in Pflegeeinrichtungen auf Grundlage des neuen Pflegebedürftigkeitsbegriffs zu erarbeiten und zu erproben.

Über diese Regelung hinaus konnten in den parlamentarischen Beratungen folgende Verbesserungen in den Gesetzentwurf aufgenommen werden:

  • Pflegeberatung

    In Zukunft soll Pflegeberatung dort, wo sie beantragt wird, also überwiegend zu Hause stattfinden. Die bisherige Kann-Vorschrift wird durch eine Soll-Vorschrift abgelöst. Darüber hinaus können Leistungsanträge nicht nur beim zuständigen Pflegeberater, sondern bei jedem Kassenmitarbeiter abgegeben werden. Dies ist eine deutliche Erleichterung für den Pflegebedürftigen und seine Angehörigen.

  • Begutachtung der Pflegebedürftigkeit:

    Wiederholungsbegutachtungen, also solche Begutachtungen, die der medizinische Dienst der Krankenkassen (MDK) auf der Grundlage früherer Begutachtungen terminiert hat, werden nicht erst ab dem 1. Januar 2017, sondern bereits ab dem 1. Juli 2016 ausgesetzt. Hintergrund der Regelung ist, dass ab diesem Zeitraum eine deutlich höhere Zahl von Anträgen im Zusammenhang mit dem neuen Pflegerecht seitens der Versicherten erwartet wird. Die Anträge der Versicherte sollen vorrangig begutachtet werden.

  • Pflegesatzverfahren und Dokumentation:

    Das neue Begutachtungssystem stellt die Einrichtungen im Hinblick auf die Bewohnerstruktur vor neue Herausforderungen bei der Planungssicherheit. Sollte es hier erhebliche Abweichungen zur früheren Situation geben, wird es nun ermöglicht, dass Nachverhandlungen zum Pflegesatz zeitnah und vereinfacht aufgenommen werden können. Darüber hinaus wird sichergestellt, dass der geringere Aufwand und die damit verbundenen zeitlichen Einsparungen aufgrund des neuen verbesserten Dokumentationsverfahrens nicht dazu führen, dass die Kostenträger in den Verhandlungen den Abbau von Pflegepersonal fordern dürfen.

  • Wartefrist Verhinderungspflege:

    Angehörige haben, wenn sie einen Pflegebedürftigen pflegen, Anspruch auf eine Auszeit, um Überforderung zu vermeiden. Dazu kann nach einer Wartezeit von sechs Monaten ein Antrag auf Verhinderungspflege gestellt werden. Es wird nun klargestellt, dass, auch wenn der Anspruch für eine Verhinderungspflege erst ab dem Pflegegrad II besteht, auch Zeiten im Pflegegrad I auf die Wartezeit angerechnet werden können.

  • Vollstationäre Leistungen:

    Bisher gibt es einen Abschlag von 20 % auf die stationären Leistungsbeträge, wenn der MDK keine Notwendigkeit für vollstationäre Pflege sieht. Diese Regelung wird ersatzlos gestrichen.

  • Rentenbeiträge pflegende Angehörige:

    Bei Mehrfachpflege wird der 30 %ige Mindestpflegeaufwand pro Pflegeperson gestrichen. Die Regelung „zehn Stunden in zwei Tagen“ gilt auch hier.

Die Umstellung auf einen neuen Pflegebedürftigkeitsbegriff und die Verbesserung der Leistungen in einem Umfang von etwa 2,5 Milliarden € gehen einher mit einer Beitragssatzerhöhung von 0,2 % zum 1. Januar 2017. Damit wird der Beitragssatz auf 2,55 % bzw. für Kinderlose auf 2,8 % angehoben. Der Beitragssatz von 2,55 % kann nach den Berechnung des Bundesministerium für Gesundheit bis zum Jahr 2022 stabil gehalten werden. Darüber hinaus stellen wir für den Bestandsschutz bei der Überleitung der pflegebedürftigen Personen von den bisherigen Pflegestufen auf die neuen Pflegegrade über vier Jahre insgesamt 4,4 Mrd. Euro zur Verfügung. Diese Mittel werden aus den bestehenden Überschüssen der Pflegeversicherung finanziert und führen nicht zu finanziellen Mehrbelastungen der Beitragszahler.

Staatssekretär Karl-Josef Laumann zu Besuch im Wahlkreis

Der Beauftragte der Bundesregierung für die Belange der Patientinnen und Patienten sowie Bevollmächtigter für Pflege, Staatssekretär (StS) Karl-Josef Laumann war am 28. April 2015 auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Matern von Marschall im Wahlkreis Freiburg unterwegs, um das neue Pflegestärkungsgesetz zu erläutern und sich vor Ort ein Bild der Situation zu machen. Mit Staatssekretär Laumann hat die Pflege ein prominentes Gesicht und eine gewichtige Stimme bekommen. In einer alternden Gesellschaft müssen Angehörige und Pflegedienstleistende gestärkt, die Pflegeausbildung den neuen Erfordernissen angepasst und der Pflegeberuf attraktiv gestaltet werden, um Nachwuchs für diese wichtige Aufgabe zu gewinnen. Vor allem aber muss die Pflege entbürokratisiert werden, damit die wertvolle Pflegezeit den Menschen gewidmet werden kann und die Pflegenden nicht im Papierkram ertrinken. Dem dient die neue Gesetzgebung und ein verschlanktes Dokumentationsmodell, das Staatssekretär Laumann nach einer Pilotphase nun ab Mai auf einer Tour in ganz Deutschland vorstellt. Sein Besuch in Freiburg war dazu gewissermaßen der Auftakt.

HELIOS Klinik, Universitätsklinik und Evangelisches Stift

Von der HELIOS Klinik in Breisach ging es zur Freiburger Universitätsklinik und schließlich zum Evangelischen Stift in Freiburg, wo das 4. Marschall-Forum stattfand zum Thema „Zukunft der Pflege“. In Breisach sprachen der Ärztliche Direktor  der Klinik, Dr. Bernd Walter, Frau Villing von der internistischen Station, die Pflegedienstleiterin, Frau Hegel, die Sozialarbeiterin der Klinik, Frau Schmidt sowie Pflegedienstleiterin Petra Gebert von der Sozialstation Breisach mit der kleinen Delegation. Gekommen waren auch Breisachs Bürgermeister Oliver Rein und Landrätin Dorothea Störr-Ritter, die im Aufsichtsrat des Klinikums ist.

Zukunftsaufgaben der Pflege

Es zeigte sich, dass eine der großen Zukunftsaufgaben  der Gewinn von Nachwuchs im Pflegebereich sein wird. Wie  können künftig Pflegeberufe für junge und durchaus auch ältere Menschen, die eine neue Arbeit suchen, attraktiver gestaltet werden? Wie sind Aus- und Fortbildung für Pflegekräfte zu entwickeln, um diese  den gewachsenen Aufgaben – Stichwort Demenz – anzupassen? StS Laumann wies darauf hin, dass die Pflegeberufe zunehmend vielfältiger sein werden. Trotzdem wird auch künftig sicher nur ein begrenzter Teil der Pflegeberufe akademisiert werden müssen. Die Grundlage soll  also  weiterhin die duale Ausbildung bleiben, die sich in vielen Bereichen in Deutschland bewährt hat und zum Vorzeigemodell über die Grenzen hinweg geworden ist. Vor allem aber soll das Bild der Pflege und der Pflegeleistenden in der Gesellschaft aufgewertet und ihre unverzichtbare Leistung gewürdigt  werden. Das bedeutet auch, die Angehörigen zu stärken, die einen ganz wesentlichen Anteil der Pflege in ihren Familien leisten.  Und sicher muss in Zukunft noch mehr getan werden, um hoch betagte und damit oft pflegebedürftige Menschen als selbstverständlichen Teil unserer Gesellschaft in deren Mitte zu begreifen und ihre Teilhabe an der Gemeinschaft zu stärken.  Auch die Pflegeeinrichtungen selbst haben sich in den vergangenen Jahren positiv entwickelt. Das ist leider oft noch nicht im öffentlichen Bewusstsein angekommen und leider tragen Medienberichte über vereinzelte Skandale in Pflegeeinrichtungen  bisweilen dazu bei, dass unser Bild  der modernen Pflege noch immer negativ geprägt ist.

Vertreter der Pflege an den Tisch holen

Mit StS Laumann hat Deutschland nun eine starke Stimme für die Pflege. Er will die Pflege aus ihrem „Aschenputtel“-Dasein herausholen, ihre Rolle und Anerkennung in der Gesellschaft und ihren Einfluss auf die Gesetzgebung stärken.  „Vertreter der Pflege müssen überall  mit am Tisch sitzen, wo es um die Zukunft der Pflege geht!“ , sagte Laumann. Das Vertrauen in die  wertvolle Arbeit der Pflegenden muss gestärkt werden. Die zweifellos notwendige Dokumentation der Pflegeleistungen darf nicht dazu führen, dass die Pflegenden den Eindruck bekommen, sie würden sinnlos und im Übermaß kontrolliert. „Dokumentation darf kein Ausdruck des Misstrauens sein“, so Laumann weiter.

 Das Notfallzentrum der Uniklinik Freiburg

An der zweiten Station der Tour, der Universitätsklinik in Freiburg, gab es zu Beginn eine Führung durch das Notfallzentrum in Begleitung des kaufmännischen Direktors Bernd Sahner.  Das auf allerhöchstem Niveau ausgestattete Notfallzentrum ist in der Lage, selbst bei  großen Unfällen zahlreiche Verletzte in kürzester Zeit zu versorgen, wie der ärztliche Leiter des Notfallzentrums, Dr. Hans-Jörg Busch schilderte. Hierzu stehen unter anderem verschiedene Schockräume zur Verfügung. Auch eine flexible und hermetische Abtrennung von hochinfektiösen Patienten ist möglich, zum Beispiel bei Seuchengefahren wie Ebola.

Herausforderungen und Finanzierung

Im Zentrum des Gesprächs am Notfallzentrum stand jedoch die unzureichende Finanzierung. Über das Jahr kommen deutlich mehr Menschen in die Notaufnahme, als dies im Kontigent für die Freiburger Uniklinik berechnet wurde. Die maximal refinanzierte „Fallzahl“ wird also überschritten. Das führt zu einer Unterdeckung der Kosten in Millionenhöhe. Die Gründe für den Anstieg von Aufnahmen sind vielfältig. Teilweise kommen Patienten direkt dorthin, statt die in der Nähe angesiedelte kassenärztliche Notfallpraxis in Anspruch zu nehmen. Schließlich gibt es eine offenbar zunehmende -wenngleich noch geringe – Zahl von Patienten, die gesundheitliche Probleme haben, aber nicht wirklich als Notfälle eingestuft werden müssen und ihren Arztbesuch auch auf die nächste reguläre Sprechstunde eines Arztes verschieben könnten.

Pflegeaufwendung und Fallpauschalen

Der zweite Themenschwerpunkt an der Uniklinik  galt der Pflegefinanzierung. Pflegedirektor Helmut Schiffer legte dar, dass die Pflegeaufwendungen an einem Universitätsklinikum deutlich komplexer und aufwändiger sein können, als dies in einem normalen Krankenhaus der Fall ist. Der Grund ist einfach: Zur Uniklinik kommen eher Patienten, die einer ganz besonderen Aufmerksamkeit bedürfen, z.B. weil sie neben der zu behandelnden Erkrankung an anderen Grunderkrankungen leiden, die die pflegerische Betreuung aufwändiger und komplizierter gestalten. Da aber heute jede einzelne Behandlung im Krankenhaus über eine je Bundesland für alle Krankenhäuser identische Fallpauschale abgerechnet wird, können Pflegemehraufwendungen, die in einer hoch spezialisierten Uniklinik eben höher sein können, nur unangemessen erstattet werden. Hier braucht die Uniklinik nach ihrer Darstellung Zuschüsse, um die Kosten für Zusatzleistungen angemessen zu decken. Schließlich machte Pflegedirektor Schiffer deutlich, dass es auch an der Uniklinik zunehmend schwierig wird, Pflegepersonal zu gewinnen. Ein Grund ist die Nähe zur Schweiz, wo die Gehälter und Arbeitsbedingungen deutlich besser sind.

Marschall Forum im Evangelischen Stift

Höhepunkt und Abschluß der Tour mit Staatssekretär Laumann war am späten Nachmittag das „3. Marschall-Forum zur Zukunft der Pflege“ im Evangelischen Stift in der Hermannstraße.  In der offenen Diskussionsrunde mit Fachleuten, interessierten Gästen und Bewohnern des Hauses  wurden die Probleme beim Namen genannt:  demographischer Wandel,  Versicherungskosten, Gehälter der Pflegekräfte, mögliche Etablierung von Pflegekammern, unterschiedliche Anforderungen in Stadt und Land und schließlich das Hauptthema, die Entbürokratisierung der Pflege. Klar wurde, dass die notwendigen Verbesserungen langen Atem und die Unterstützung der Politik brauchen. Vorstand Hartmut von Schöning, der dankenswerter Weise die Räumlichkeiten des Stifts für diese wichtige Diskussion zur Verfügung stellte, machte deutlich, dass Parlament und Bundesregierung nicht alleine auf diesem Weg sind. Ganz nach dem Motto des Evangelischen Stifts, engagieren sich die Pflegeeinrichtungen für die Zukunft ihrer wertvollen Arbeit mit Herz und Verstand, ganz nach dem Pflege-Motto: „Weil es Sinn macht“.

Dokumentationspflicht entbürokratisieren

Das aktuelle Großprojekt des Pflegebeauftragten Laumann ist die Entbürokratisierung der Pflege. Jede Minute, die an unsinniger Dokumentation für einzelne Pflegeleistungen reduziert werden kann kommt dem pflegebedürftigen Menschen zugute, der künftig im Zentrum stehen soll. Die neue Dokumentation soll sich also viel mehr am Menschen und seinen Bedürfnissen ausrichten, weniger am Selbstzweck der Bürokratie. Das so verschlankte Dokumentationsmodell wird derzeit deutschlandweit in Pilotprojekten erprobt. Nun soll es in der Fläche praktisch umgesetzt werden. Die Grundidee ist einfach: künftig sollen nicht mehr alle wiederkehrenden einzelnen Pflegemaßnahmen stets aufs Neue dokumentiert werden, sondern nur neue Pflegeleistungen, die sich eventuell ergeben.

Beurteilung der Pflegeeinrichtungen

Zum Abschluss wurde noch das bisher angewandte Notensystem zur Beurteilung der Pflegeeinrichtungen angesprochen. Staatssekretär Laumann hält es für untauglich und will es auf Dauer abschaffen: „In meiner Schulzeit war es so, dass man eine 6 in Mathematik nicht mit einer 1 in Singen ausgleichen konnte. Beim Pflege-Notensystem ist es aber so: eine schlechte Medikamentenbehandlung kann mit einer schönen Speisekarte ausgeglichen werden. Das ist Quatsch!“ Die zahlreichen Gäste freuten sich über Laumanns klare Botschaft und verabschiedeten den Staatssekretär mit Applaus.